Systemabsturz als Chance
03.11.2009 BestGuest Veranstaltung mit Michael Best
„Kapitalismus Reloaded“ – so der Titel des ersten Buchs von Michael Best und das Thema des „Best Guest“ Abends mit dem Autor bei A&B ONE. Der Systemabsturz biete die Chance den Kapitalismus zu überdenken – schließlich würden die Fehler in einem Programm ja auch behoben bevor man es wieder hochfährt, so der Tenor des gelernten Volkswirts, der das ARD Börsenstudio leitet.
„Die Krise wird vor allem als Blamage wahrgenommen – als Blamage für die Wirtschaftseliten, die die Kontrolle verloren haben“, beschreibt Best die einseitige Wahrnehmung der Finanzkrise. Doch Elitenschelte sei keine Lösung, genauso wenig, wie der verbreitete Ruf nach mehr Staat. „Risiko ist unausweichlich ein Element des kapitalistischen Systems, das alternativlos ist“, so Best – und es verlangt nach einer verantwortungsbewussten Handhabung. Gefragt sind Staat, Verbraucher, Unternehmen, Banken und die Medien als Macher und Spiegelbild der öffentlichen Meinung gleichermaßen.
Die Aufgabe des Staates sei nicht Banken zu managen, sondern das System wirkungsvoll zu beaufsichtigen und dadurch abzusichern. Die Verbraucher stünden in der Pflicht sich über das, was mit ihrem Geld geschieht, besser zu informieren und ihr Kapital nicht einfach den Banken zu geben, sondern in Unternehmen zu investieren, die nachhaltig Werte schaffen. Auch Unternehmen und Banken müssten natürlich verantwortlicher handeln, beispielsweise bei der Inanspruchnahme von Krediten – um Vertrauen wiederzugewinnen sollten sie aber besser und verständlicher erklären was sie tun und sich nicht hinter Quartalszahlen verstecken. Best spricht sogar von einer Sprachlosigkeit zwischen Öffentlichkeit und Unternehmen.
„Die meisten Vertreter der Wirtschaftselite entziehen sich dem, was in Politik und Kultur längst normal ist: Eine personalisierte Kommunikation“, erklärt Best. Menschen seien aber diejenigen, die einem Geschäftsmodell in der Öffentlichkeit Glaubwürdigkeit und Legitimität verleihen können. Als TV-Journalist bemängelt Best die Scheu der Führungskräfte, sich der Unmittelbarkeit des Fernsehens auszusetzen. „Oft werden Vorstände erst dann sichtbar, wenn sie durch Unternehmensskandale oder Krisen in den öffentlichen Raum gezerrt werden und gezwungen sind zu kommunizieren“, stellt Best fest. Sind das die einzigen Auftritte der Vorstände, ist nicht verwunderlich, dass das negative Image hängen bleibt. In der Diskussion räumt Best auch ein, dass es die Medien den Managern oft nicht leicht machen. Schließlich lebten die Medien in dem scharfen Wettbewerb untereinander von der Skandalisierung der Nachrichten. Doch sei der Eindruck, der dadurch entsteht falsch. Die Eliten sind nicht korrupter als früher – Unlauterkeiten würden nur immer häufiger aufgedeckt und bekannt gemacht.
So brachte Michael Best das Wesen des Systems abschließend auf den Punkt: „Kapitalismus ist kein ethisches System. Nur die Freiheit am Kapitalismus ist ethisch.“ Doch mit der Freiheit muss man verantwortlich umgehen.
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